Die Sonnenpflanze für Herz & Seele – Johanniskraut in der Naturküche und Hausapotheke
Johanniskraut – die leuchtende Kraft der Sommersonnwende
Wenn die Tage am längsten sind, beginnt das Johanniskraut (Hypericum perforatum) zu blühen. Goldgelb, mit sonnendurchwirkter Leuchtkraft – es ist nicht schwer, sich vorzustellen, warum diese Pflanze als Lichtbringerin gilt. Und deshalb stelle ich euch heute meine 3 liebsten Rezepte mit Johanniskraut vor. In der Volksheilkunde wird sie seit Jahrhunderten bei Verstimmungen, nervösen Beschwerden und zur Stärkung der Seele eingesetzt. Es gehört zu den essbaren Wildkräutern im Hochsommer.
Ich erinnere mich noch, wie eine gute Bekannte in meiner Kindheit immer am 24. Juni, dem Johannistag, mit einem Korb hinaus auf die Wiese ging, um die leuchtenden Blüten zu pflücken. „Nur das Kraut, das an diesem Tag blüht, hat seine volle Kraft“, sagte sie. Heute halte ich diese Tradition lebendig – nicht nur aus Respekt, sondern weil sie funktioniert.
Lasst uns gemeinsam eintauchen in die Welt der Sonnenpflanze eintauchen, meine 3 liebsten Johanniskrautrezepte und wie wir ihre Heilkraft und ihr köstliches Aroma in Küche nutzen können, entdecken.
Wann ist der richtige Zeitpunkt um Johanniskraut zu sammeln?
Johanniskraut liebt trockene, sonnige Standorte – Wegränder, Lichtungen, Böschungen. Die Hauptsammelzeit ist von Ende Juni bis in den August hinein. Achte auf die winzigen „Ölbehälter“ in den Blättern – sie sehen wie Löcher aus, wenn du sie gegen das Licht hältst. Das ist ein gutes Zeichen für die richtige Art.
Sammle möglichst an einem sonnigen Vormittag, wenn die Blüten geöffnet und trocken sind. Für die Tinktur verwende ich nur die oberen 10 cm mit Knospen und Blüten – sie enthalten die meisten Wirkstoffe, besonders das wertvolle Hypericin.



Heilwirkung von Johanniskraut
Die Heilwirkung von Johanniskraut beruht auf einer beeindruckenden Kombination an Wirkstoffen, die sowohl im Bereich der Phytotherapie als auch der traditionellen Volksmedizin geschätzt werden:
Besonderheiten:
- Hypericin: der bekannteste Wirkstoff, wirkt stimmungsaufhellend und antiviral (verantwortlich für die Rotfärbung des Öls)
- Hyperforin: antibakteriell, stimmungsaufhellend, entzündungshemmend
- Flavonoide (z. B. Rutosid, Quercetin): gefäßschützend, antioxidativ
- Gerbstoffe: adstringierend, entzündungshemmend – wichtig für die äußere Anwendung bei Wunden
- Ätherische Öle: beruhigend, leicht krampflösend
- Xanthone und Phloroglucinderivate: tragen zur nervenberuhigenden Wirkung bei
- Carotinoide: wichtig für Hautgesundheit, antioxidative Eigenschaften
- Chlorogensäure: unterstützt Leberfunktion und wirkt entzündungshemmend
Verwendung:
Diese Zusammensetzung macht Johanniskraut zu einer echten Vielstoffpflanze mit komplexer Wirkung – besonders auf das zentrale Nervensystem, die Haut und das Immunsystem.
Heilwirkung und Kulinarisches mit der Johanniskraut
Wenn du schon immer mal etwas neues in deiner Küche ausprobieren wolltest, hast du mit dem Johanniskraut ein wundervolles Kraut für Herz&Seele zur Hand.
- Johanniskrautäl – Sonnenkraft für die Haut
- Johanniskrauttinktur – Seelentröster in Tropfenform
- Johanniskrauttee – Licht für trübe Tage

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Rezepte für Herz und Seele mit Johanniskraut
Johanniskraut schmeckt mild, leicht balsamisch und etwas bitter. Hier meine drei liebsten Rezepte, direkt aus meiner Sommerküche:
1. Johanniskrautöl – Sonnenkraft für die Haut
| Ein Klassiker! Rotöl ist ein echtes Multitalent: beruhigend bei Sonnenbrand, Prellungen, Rückenschmerzen, Muskelschmerzen – und ein wertvolles Hautöl. Zutaten: 1-2 Handvoll frische Johanniskrautblüten Schuss 40% Alkohol 200 ml hochwertiges Bio-Olivenöl Zubereitung: Die frischen Blüten in ein sauberes Schraubglas geben und mit Alkohol durchmischen . Mit dem Öl übergießen, bis alles bedeckt ist. 4–6 Wochen an einem warmen Ort vor einem Fenster mit direkter Sonne ziehen lassen . Täglich schütteln. Das Öl wird tiefrot! Danach abseihen und in dunkle Flasche füllen! |
☀️ Warum in der Sonne?
Bei meinem Ölauszug wird frisches Johanniskraut – vorzugsweise die oberen, blühenden Triebspitzen – in ein hochwertiges Öl eingelegt (bevorzugt in Olivenöl) und für mehrere Wochen direkt der Sonne ausgesetzt. Dieser Vorgang ist nicht nur symbolisch, sondern auch biochemisch hochwirksam:
Durch das Sonnenlicht können sich die Wirkstoffe besonders gut entfalten. Dabei entsteht das charakteristische rotgoldene Johanniskrautöl, das sowohl äußerlich als auch innerlich vielseitig anwendbar ist.
🔬 Die Synergie macht’s:
Die stimmungsaufhellende Wirkung von Johanniskraut beruht vor allem auf dem Zusammenspiel von Hypericin, Hyperforin und Flavonoiden. Während Hypericin eine leicht antidepressive Wirkung zugeschrieben wird, tragen die Flavonoide zur Stabilisierung des Nervensystems bei. Gemeinsam entfalten sie eine sanfte, aber kraftvolle Wirkung auf unser seelisches Gleichgewicht – ganz im Sinne der Pflanzensynergie, wie sie in der traditionellen Pflanzenheilkunde geschätzt wird.
Rund um das Ansetzen von Johanniskraut-Öl werden in meinen Ausbildungsgruppen immer sehr viele Fragen an mich gestellt. In die pralle Sonne stellen oder besser nicht? Wie lange sollte der Ölauszug stehen? Werden die Inhaltsstoffe durch die Sonne nicht zerstört? Welches Öl nehme ich am besten für den Auszug?
Gerne möchte ich hier meine zusammengesammelten Erfahrungen mit euch teilen. In der traditionellen Naturheilkunde liegt schon seit langer Zeit der Fokus auf dem Olivenöl. Mittlerweile ist auch über Studien bestätigt, was wir Kräuterkundigen schon lange geahnt haben. Die Haltbarkeit des Olivenöls ist sehr gut. Der Ölauszug mit Johanniskraut und Olivenöl ist nachweislich bis zu einem halben Jahr stabil, erst nach einem Jahr lässt die Haltbarkeit nach.
Die besten Ergebnisse was die Konzentration von Hyperforin im Ölauszug betrifft, wurde laut einer Studie bei einem Rotöl welches 28 Tage besonnt wurde festgestellt.
Die Empfehlungen, dass der Ölauszug nicht besonnt werden sollte, beruhen darauf, dass Hyperforin nicht photostabil ist. Weitere Studien haben allerdings belegt, dass Hyperforin ein wichtiger antidepressiver Wirkstoff des Johanniskrauts ist aber die pharmakologische Wirkung auch erhalten bleibt, wenn das Hyperforin teilweise entfernt wird und die antidepressive Wirkung auf eine Synergie aus Hypercicin und Flavonoide zurückzuführen ist.
Quelle: Isacchi, B. et al.: Analysis and stability of the constituents of St. John`s wort oils (…), 2008
Butterweck, V. et. al.: Step. by step removal of hyperforin and hypericin, 2003
Deutsche Apotheker Zeitung: Johanniskraut: Hauptwirkstoff Hyperforin, 1998



2. Johanniskraut-Tinktur – Seelentröster im Tropfenformat
| Ideal bei nervöser Unruhe, leichten Verstimmungen, innerer Unruhe oder PMS. Zutaten: Frische Johanniskrautblüten (nicht gewaschen!) Hochprozentiger Alkohol (z. B. Doppelkorn oder 40–50 % Ethanol) sterilisiertes Schraubglas Zubereitung: Blüten locker in ein Glas füllen, mit Alkohol vollständig bedecken. 3–4 Wochen ziehen lassen, täglich schütteln. Danach filtern und in Braunglasfläschchen abfüllen. Anwendung: 3 x täglich 10–20 Tropfen in Wasser geben – z. B. bei seelischer Unruhe oder vor Prüfungen. Achtung! Johanniskraut kann Wechselwirkungen mit Medikamenten (ganz besonders bei hormoneller Verhütung) haben – bitte vorher informieren oder ärztlich abklären. |
3. Johanniskraut-Tee – Licht für trübe Tage
| Und ja: Tee mit Johanniskraut ist nicht giftig! Ganz im Gegenteil – er wird in der Phytotherapie sogar gezielt verwendet. Allerdings ist die Konzentration an Wirkstoffen im Tee deutlich niedriger als in Öl oder Tinktur. Würzig, doch nicht scharf – der perfekte Einstieg in die wilde Kräuterküche. Zutaten: 1–2 TL getrocknete Johanniskrautblüten 250 ml heißes Wasser Zubereitung: Mit kochendem Wasser übergießen, 5–10 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen, warm genießen. Anwendung: mild stimmungsaufhellend, entspannend, nervenstärkend – ideal abends oder bei innerer Unruhe. Tipp: Kombiniere mit Hopfen, Zitronenmelisse oder wenig Lavendel für eine besonders harmonisierende und beruhigende Mischung! |

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Mein Fazit zum Johanniskraut
Johanniskraut ist für mich eine der wichtigsten Pflanzen des Sommers. Es bringt Licht, wenn das eigene Innerste sich verdunkelt. Es stärkt, beruhigt, heilt – äußerlich wie innerlich. Ob in Öl, Tee oder Tinktur: Es lohnt sich, diese Sonnenpflanze in die eigene Hausapotheke zu holen. Ich hoffe mein Beitrag über meine 3 liebsten Rezepte mit Johanniskraut hat dir gefallen!
Hast du selbst schon Johanniskraut verarbeitet? Oder möchtest du es ausprobieren? Schreib mir gerne – ich freue mich über Austausch. 🙂
Mit sonnigen Grüßen, Eure Elisabeth 🌞
„Denn in allem Natürlichen liegt etwas Wunderbares.“
Aristoteles
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Geh raus in die Natur!
Deine Kräuter- und DIY-Kosmetik-Expertin – Elisabeth
Hinweis
Die von mir veröffentlichten Informationen rund um Naturapotheke, Wildkräuterküche, DIY-Kosmetik und Wildkräuterkunde werden sorgfältig recherchiert, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich möchte darauf hinweisen, dass die beschriebenen Rezepte und Anwendungen der Volksheilkunde nicht den Besuch beim Arzt ersetzen, die Umsetzung auf eigene Gefahr erfolgt und kein Heilversprechen gegeben wird!